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Gottesdienste
Prot. Kirche Gommersheim
Sonntag, 15. November 2020 (Horak-Werz)
10:15 Uhr
Mittwoch, 18. November
Buß- und Bettag
18:00 Uhr Friedensgottesdienst
Sonntag, 22. November 2020 (Horak-Werz)
mit Gedenken der Verstorbenen
10:15 Uhr und 11:15 Uhr
Sonntag, 29. November 2020 (Horak-Werz)
Eröffnung von Brot für die Welt
10:15 Uhr
Prot. Kirche Freisbach
Sonntag, 15. November 2020 (Horak-Werz)
9:15 Uhr
Mittwoch, 18. November
Buß- und Bettag
19:00 Uhr Friedensgottesdienst
Sonntag, 22. November 2020 (Horak-Werz)
mit Gedenken der Verstorbenen
9:15 Uhr
Sonntag, 29. November 2020 (Horak-Werz)
Eröffnung von Brot für die Welt
9:15 Uhr
Bitte ziehen Sie sich warm an oder bringen Sie sich eine Decke mit!
bitte Mundschutz mitbringen
Umkehr zum Frieden
Friedensgottesdienste
Sonntag, 15. November 2020
9:15 Uhr Freisbach
10:15 Uhr Gommersheim
Gottesdienst
zum Volkstrauertag
Mittwoch, 18. November 2020
Buß- und Bettag
18:00 Uhr Gommersheim
19:00 Uhr Freisbach
Klang des Friedens
Klang des Friedens
Klang des Friedens … Klang des Friedens … ja … wie klingt denn der Friede? Ich weiß nicht, wie Ihre Antwort lautet. Beim längeren Nachdenken, Nachsinnen und Nachhorchen kamen bei mir ein paar Erinnerungen.
Wie klingt Frieden? Ich höre die Worte von Martin Luther King. Seine Rede von 1963. Höre das eindringliche „I have a dream“… Ich habe einen Traum. Friedensklänge. 1972, als 14jährige im Konfirmandenunterricht, beeindruckten mich diese Worte tief. Und sie berühren mich bis heute: „Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum … Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum heute …
Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten, dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern. Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen. Das ist unsere Hoffnung!“ Martin Luther Kings Traum, über 57 Jahre alt. Bis heute für viele Menschen eine Vision des Friedens, ein Klang des Friedens!
Wie klingt Frieden? Eine wunderbare, kleine Geschichte: „In einer jüdischen Legende fragt der Rabbi seinen Schüler: Wann ist der Übergang von der Nacht zum Tag? Und der gab zur Antwort: Wenn du das Gesicht eines Menschen erkennst und darin das Gesicht deines Bruders oder deiner Schwester entdeckst, dann ist die Nacht zu Ende, und der Tag ist angebrochen.“ Ja, so klingt Frieden, so wird es heller Tag, und Friede kann sein!
Noch ein Klang des Friedens aus meinem Nachdenken. Viele Jahre lang war ich jeden November mit einer großen Gruppe interessierter KonfirmandInnen nach Hamburg unterwegs. Unsere Fahrten hießen: „Gegen das Vergessen!“ also: Erinnern – damit „es“ nie wieder geschieht. Hamburg-Neuengamme war unser Ziel. Heute eine Gedenkstätte für das damalige Konzentrationslager. Über 100.000 Menschen waren dort gefangen, 55.000 dort umgekommen. Das Programm des Lagers lautete: „Vernichtung durch Arbeit“.
Unser Reiseführer erzählte: „1942, da war ich 8 Jahre alt. Ich lebte hier in Hamburg. Ich habe keinen Tag im Krieg Hunger gehabt. Es gab immer genug zu essen, denn die Deutschen hatten ja genug Länder besetzt, aus denen sie Lebensmittel nach Deutschland bringen konnten. Und wenn es Bombenalarm gab, konnte ich mich mit meiner Mutter in einen Bunker flüchten. Aber diese armen Menschen, sagte er, diese armen Menschen in den Lagern bekamen kaum zu essen, waren nur dünn bekleidet, wurden medizinisch schlecht versorgt und bei Bombenalarm mussten sie im Freien bleiben. Das konnte ich, das konnten wir damals in Hamburg alle sehen und mitbekommen!“
Der Klang des Friedens – das ist auch und vor allem das Erinnern mit einem mitfühlenden Herzen. Gegen das Vergessen! Am 9. November gedenken wir Jahr um Jahr mit einem mitfühlenden Herzen der Schicksale der jüdischen Menschen in Vechta – gegen das Vergessen! Auch im Blick auf den Holocaust brauchen wir das Erinnern mit einem mitfühlenden Herzen, damit dieses bodenlose Unrecht nie vergessen wird. Und sich nie wiederholt. Auch das – ein Klang des Friedens. Für mich ist der 9. November einer der wichtigsten Gedenktage!
Wie klingt Frieden? Für jüdische Menschen klingt Frieden so: Schalom! Und in diesem hebräischen Friedenswort Schalom klingt der umfassende Friede an, den Gott allen Menschen und allen Völkern verspricht:
Schalom, das sind Ruhe und Sicherheit.
Schalom, das ist Geborgenheit.
Schalom, das ist das absolute Wohlergehen.
Schalom bedeutet: Frieden und Gerechtigkeit.
Schalom – nicht irgendwann einmal, womöglich erst in der Ewigkeit bei Gott, Schalom soll und wird schon hier auf Erden beginnen – so hat es Gott versprochen!
Schalom – der Klang des Friedens. Horchen wir drauf! Am 9.11.!
Wirf dein Gewicht in die Wolken – Reformationsgedanken
Wirf dein Gewicht in die Wolken – Reformationsgedanken
Zum Berg gehen
den Fels herausreißen
aus seiner Lethargie
ihm Flügel zusprechen.
Steh auf
aus dem Staub
wirf dein Gewicht
in die Wolken.
Diese Chance
gibt dir das Wort
diese Chance
jetzt.
Poetische Worte der Dichterin Rose Ausländer. So kraftvoll! Und voll Energie und Zutrauen: du kannst viel bewegen, ja Berge versetzen! Geh zum Berg, reiß den Felsen heraus aus seiner Lethargie! Steh auf aus dem Staub und wirf dein Gewicht in die Wolken!
Mich bringen diese Worte in Bewegung. Fordern mich auf, jetzt, sofort, alles Lähmende abzuschütteln. Alles Schwere hinter mir zu lassen, wegzuwerfen. Und mir Flügel, mir Mut und Zutrauen zusprechen zu lassen. Diese Chance geben mir die Worte. Diese Chance jetzt. „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“
So ähnliche und doch ganz andere … ganz andere und doch ähnliche Worte findet der Apostel Paulus: „Also, meine Lieben, wie ihr immer gehorsam gewesen seid, so seid es nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit, und müht euch um euer Heil mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist es, der in euch das Wollen wie das Vollbringen wirkt zu seinem Wohlgefallen.“ (aus dem Philipperbrief Kapitel 2 Verse 12-13, in der Auswahl zum Reformationstag)
„Also, meine Lieben!“ Kraftvoll und auffordernd schreibt Paulus. Seid gehorsam, gerade jetzt, wo ich im Gefängnis bin. Seid gehorsam, das heißt: bleibt dem Evangelium treu! Glaubt an die Befreiung, die ihr darin gefunden habt. Bleibt bei dem, was ihr von Gott erfahren habt. Was ihr erlebt habt. Müht euch um euer Heil! Arbeitet an euch! Setzt euch in Bewegung. „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“
Paulus will aufrütteln, sich gerade jetzt nicht einschüchtern zu lassen. Steht auf aus dem Staub! Er fordert seine Lieben auf, das eigene Heil nicht preiszugeben. „Müht euch um euer Heil!“ Und spricht Mut zu: Ihr könnt es, denn Gott wirkt es in euch. In jeder und jedem Einzelnen. Ja, Gott wirkt es. In Euch, in dir und in mir. Von Gott bekomme ich den Willen und die Kraft. Wie alle bin ich ein von Gott geliebter, bejahter Mensch. Angenommen mit allen Fehlern und Schwächen. So wie ich bin. Also: „Steh auf aus dem Staub. Wirf dein Gewicht in die Wolken“!
Leben mit der Gewissheit, geliebter, bejahter Mensch zu sein. Sich davon tragen lassen. Aufstehen aus dem Staub meiner Selbstzweifel, die mich zu Boden drücken. Das Gewicht, meine Schwere in die Wolken werfen. Das Gewicht meiner Selbstanklagen. Dass ich mir selbst, meinen Lieben, meinem Beruf, den anderen nicht genüge. Nicht gerecht werde. Dies schwere Gewicht von mir werfen. Ja. „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“ Dort löst es sich auf in Leichtes.
Aufstehen aus dem Staub meiner Schuld, die meine Selbstachtung und meinen Selbstwert zerstört. Selbst wenn Menschen mir nicht vergeben, Gott hat schon lange verziehen. Und gehen! Zum Berg gehen. Gehen zu dem, was wie eine riesige Wand vor mir steht. Undurchdringbar, uneinnehmbar. Mir sagen lassen: Geh, denn du kannst es! Gott wirkt in dir das Wollen als auch das Vollbringen. „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“
Mir sagen lassen: geh und reiß den Felsen heraus aus seiner Lethargie. Aus seiner Müdigkeit. Und Gleichgültigkeit. Geh, setze dich in Bewegung. Bringe in Bewegung, was erstarrt und festgefahren ist. Sei Motor, sei Hilfe zur Veränderung, wo sie nötig ist. Sprich Flügel zu, wo die Angst groß ist vor Veränderungen. Lass die Lethargie, diese zerstörerische Lähmung hinter dir. Lass dich anrühren, berühren. Lass dir Flügel zusprechen. Und den Mut, abzuheben, zu träumen, zu suchen, Ausschau zu halten. Lass dir Flügel zusprechen. Und glaube daran, dass du fliegen kannst, dass du frei bist! „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“
„Lebe das Heil, das Gott dir schenkt!“ Ja, das ist meine Aufgabe, mein Beitrag zum Heil. Das Heil leben, das Gott mir schenkt. Es nicht verschenken, es auch nicht wegwerfen. Und mir meinen eigenen Wert und die Würde als Mensch, die Gott mir schenkt, durch nichts und niemanden nehmen lassen. Ja. Leben wir das Heil, das Gott schenkt, dir, mir, uns. Diese Chance gibt uns das Wort. Diese Chance – jetzt. „Wirf dein Gewicht in die Wolken.“
Gut war’s – erster Dekanats-Konfi-Tag, dieses Mal als Actionbound!
Gut war's erster Dekanats-Konfi-Tag, dieses Mal als Actionbound!
Am 26. September machten sich über 120 Konfirmand*innen, aus dem ganzen Kirchenbezirk, auf den Weg, um in Kleingruppen einen Actionbound in Neustadt zu spielen. Dabei handelt es sich um eine spannende, abwechslungsreiche, informative und lustige Schnitzeljagd, die mit Smartphones gespielt wird. Anhand kniffeliger Rätsel, QR-Codes, mini Challenges und Suchbildern haben die Konfis das Dekanat, die einzelnen Kirchengemeinden und die Stadt besser kennen gelernt.
Ein großes Lob an alle Teilnehmenden, denn trotz des kalt-nassen Herbsteinbruchs und anfänglichen, technischen Problemen, haben die Jugendlichen mit viel Engagement, Ausdauer und Humor den Bound gemeistert. Für jedes gelöste Rätsel konnten die Gruppen Punkte ihn ihrem virtuellen Sparschwein sammeln. Und so hat das Team Gommersheim mit 3763 Punkten den dritten Platz belegt, die Schnellis der Stiftskirchengemeinde konnten mit 3998 den zweiten Platz ergattert und die höchste Punktzahl haben mit 4066 Punkten das Edenkobener Team L&J&P erspielt.
Für alle Boundteilnehmer*innen gibt es einen kleinen Gruß, die drei Erstplatzierten dürfen sich über Kinogutscheine freuen!
Der Jugendzentrale war es ein großes Anliegen, dass die Konfirmand*innen –trotz Corona – erfahren, wie vielfältig und groß ihr Dekanat ist. Die Jugendreferenten*innen hoffen, dass die Konfirmand*innen trotz des geänderten Ablaufs und der Vorsichtsmaßnahmen einen Funken Gemeinschaftsgefühl erlebt haben und dabei jede Menge Spaß hatten – trotz bescheidenem Wetter!
Gedanken zum Tag – 11.10.2020
11.10.2020
Jeremia 17, 7-8
Wald tut gut. Manchmal brauche ich das. Mich zwischen Bäumen zu bewegen. Die Waldluft einzuatmen.
Ich liebe ja den Geruch des Waldes im Sommer. Wenn die Wärme alles durchdringt und die Kiefer- und Tannennadeln ihre ätherischen Öle verströmen.
Aber auch der Herbstwald hat seine Reize!
Der feuchte Boden riecht ganz besonders gut.
Die bunten Herbstfarben der Bäume und auch der Wege mit den herunter gefallenen Blättern ergeben eine ganz spezielle Stimmung, voller Ruhe und Sehnsucht.
Und wenn dann noch manchmal die Sonne durchkommt, dann ist eigentlich alles perfekt.
Ich denke, viele Menschen haben eine ganz besondere Beziehung zu Bäumen. Sie beeindrucken uns.
So fest verwurzelt wie sie sind, so voller Leben und auch Charakter. Vor allem alte Bäume könnten uns sicher viel erzählen.
Bäume und Menschen haben so manches gemeinsam. Wenn sie jung sind, sind sie zart und biegsam und auch verletzlich. Sie blühen auf und entwickeln sich weiter, werden älter und knorriger. So wie wir auch.
Und sie kommunizieren sogar miteinander. Genau wie wir Menschen.
Auch wir Menschen brauchen Wurzeln. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, in der sich ständig vieles verändert und uns vieles verwirrt und beängstigt, wird es immer wichtiger, sich darauf zu besinnen, wo wir tatsächlich unsere Wurzeln haben. Was uns Halt gibt, worauf wir uns verlassen können.
Der Prophet Jeremia sagt:
Gesegnet ist jede Frau und jeder Mann, die auf Gott vertrauen und deren Rückhalt Gott ist. Sie sind wie Bäume, am Wasser gepflanzt, zum Wasserlauf strecken sie ihre Wurzeln hin. Dass Hitze kommt, fürchten sie nicht, sie behalten ihr Laub. Auch in einem Dürrejahr sind sie ohne Sorge, sie hören nicht auf, Frucht zu tragen.
Jeremia macht uns also Mut, dass das Leben gelingt, wenn wir uns auf Gott verlassen.
Dann sind wir nämlich wie ein Baum, der fest verwurzelt ist. Dann kann uns auch kein Sturm so leicht umwerfen. Solche Herbststürme, wie wir sie im Moment auch wieder bei uns haben.
Stürme im übertragenen Sinne erleben wir ja im Leben auch genug. Misserfolge, Enttäuschungen, Krankheit und Trauer bringen uns schon manchmal ins Wanken.
Gut zu wissen, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott da ist und uns begleitet, was immer auch geschehen mag. Dass wir immer darauf vertrauen können, dass Gottes liebevolle Nähe uns umgibt und wir bei Gott aufgehoben sind.
Manchmal habe ich sogar gerade hier im Wald das Gefühl, Gott ganz nah zu sein. Und das tut eben gut!
Das gibt neue Kraft!
Erntedank – Apfeldank
Erntedank – Apfeldank
Apfel-Andacht. Schon das Wort appetitlich und schön. Da steht der Baum. Im Garten Eden. Der Baum des Lebens. „Von allen Bäumen im Garten darfst du essen.“ Doch, weil alles zwei Seiten hat, steht auch ein zweiter da. „Von diesem sollst du nicht essen. Du sollst dir nicht anmaßen, andern zu sagen, was gut und böse ist. Du sollst dir nicht anmaßen, sein zu wollen wie Gott.“ Nimm vom Baum des Lebens. Vom Baum des Lebens dürfen alle essen. Müssen alle essen dürfen.
Der Apfelkuchen, den meine Mutter so gerne backte. Mit Zimt und Streuseln. Schmeckt nach Kindheit und Zuhause, nach Geschwistern. Und nach Streit ums letzte Stück, nach Sofa und Kuscheln und guter Müdigkeit. Nahrung für Leib und Seele. „Von allen Bäumen im Garten darfst du essen.“ Nimm vom Baum des Lebens. Vom Baum des Lebens dürfen alle essen. Müssen alle essen dürfen.
Da steht der Baum, appetitlich und schön. Nur die Bauern und Bäuerinnen schauen nach ihm. Die hohen Tiere, sie sehen auf den andern Apfel. Auf den Reichsapfel in der Hand des Herrschers. Erinnert der sich noch, warum es ein Apfel ist, den er in Händen hält? Wer oben ist, vergisst so leicht: vom Baum des Lebens dürfen alle essen. Müssen alle essen dürfen.
Zum Zankapfel wird schnell, was scheinbar knappes Gut ist: Leben für alle? Leben ist Kampf! Berufstätigkeit für alle? Frauen an den Herd! Gleicher Lohn für alle? Wo kämen wir da hin! Selbstbestimmung? Ja, aber doch nur, wo´s möglich ist! Du sollst dir nicht anmaßen, anderen zu sagen, was gut und böse ist. Du sollst dir nicht anmaßen, sein zu wollen wie Gott. Von allen Früchten im Garten darfst du essen, nur von dem einen Baum nicht.
Der Apfelbaum. Birgt ein Geheimnis. Von Mütterlichkeit. Von Geburt und Tod. Geheimnis eines Glaubens, der das Leben willkommen heißt, aber auch den Tod nicht verdrängt. Der mütterlich mit dem Leben umgeht – und deshalb dem Leben und dem Tod gewachsen ist. Von diesem Glauben lebe ich. Vom ersten bis zum letzten Atemzug. Diese Glaubensfrucht – die Apfelfrömmigkeit – soll mir in den Schoß fallen. Ins Herz. In Geist und Sinne. Gut biblisch das uralte Wissen: dass Mütterlichkeit dem Leben gut tut. Selbst wenn morgen die Welt untergeht, heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Da steht der Baum, appetitlich und schön. Auch für Menschen, deren Welt gerade untergeht. Die die Heimat verlieren. Oder die Gesundheit. Oder die Freude. Für die ein Apfelbäumchen pflanzen. Sie so begleiten, dass sie das Leben wieder spüren. Das ein Geschenk ist. Leben, in unsern Körpern, anfällig und verletzlich. Unsere Körper, die Freude schenken. Last werden können. Und Geschenke bleiben. Auch im Altern. Auch noch im Tod. Im Abschied, der ein bisschen wenigstens, dem Willkommen ähneln soll. Vom Baum des Lebens müssen alle essen dürfen.
Da ist das Kind. Das Kind der Maria. Hält in der Hand einen Apfel. Rund und schön. Appetitlich, wohltuend. Liebevoll, freundlich. Das Kind nackt und bloß. Zart und klein. Gehalten an der Mutterbrust. Das Kind der Maria, die im Herzen singt: alles Mächtige und Große ist in Wahrheit gar nicht mächtig und groß. Das Geringe wird erhöht! Apfelweisheit. Gott ganz klein und nackt und zart. Das Kind voll Marienweisheit. Vom Baum des Lebens dürfen alle essen. Müssen alle essen dürfen.
Nehmen wir uns einen Apfel. Schneiden ihn quer durch. Also anders als normal. Schauen uns das Schnittbild an. Und staunen: da ist er, verborgen im Apfel: der 5-zackige Stern. Wie der Stern von Bethlehem, dem die Weisen folgten. Wie unser Leben, mit Geburt und Jugend und Reife und Alter und Tod. Verborgen im Apfel, appetitlich und schön, uraltes Wissen: für dich und mich, für uns alle gibt es, was wir im Leben brauchen und ersehnen. Wohltuendes, Schönes, Nahrhaftes für Leib und Seele. Nimm und iss. Vom Baum des Lebens dürfen alle essen.
Lass dich nicht „veräppeln“. Vom ersten bis zum letzten Atemzug: dein Leben ist kostbar. Du, Augapfel Gottes. Nimm vom Baum des Lebens.

Hiltrud Warntjen
Pfarrerin in Vechta
hiltrud.warntjen@kh-vec.de