Gottesdienst zu Pfingsten 2020 – 31.05.2020
Pfingsten 2020
31.05.2020
mit Annette Postel
mit Annette Postel
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25.5.2020 (zu Jeremia 31, 31-34)
In der letzten Woche ist vieles wieder in Gang gekommen um uns herum. Manches wirkt schon fast wieder normal. Und doch ist immer noch vieles nicht möglich. Einerseits lesen wir in der Zeitung von nur noch ganz wenigen Infizierten in unserem Bereich hier. Andererseits erfahren wir dann wieder, dass in anderen Teilen Deutschlands neue Infektionen auftreten, da wo Menschen wieder normale Dinge tun wollten, Gottesdienst feiern oder ins Restaurant gehen. Was ist also richtig? Wie sollen wir uns verhalten? Das verunsichert viele von uns, glaube ich.
Wir wollen doch gerne endlich wieder unsere Familie treffen, mit Freundinnen und Freunden zusammen sein und unserer Arbeit nachgehen. Viele geraten auch immer mehr in eine kritische finanzielle Situation.
Wir sehnen uns danach, unser gewohntes Leben wieder führen zu können. Und trotzdem empfiehlt es sich weiterhin vorsichtig zu sein und sich an die Schutzmaßnahmen zu halten. Irgendwie befinden wir uns gefühlsmäßig in so einem Zwischenstadium, finde ich. Nicht mehr ganz so eingeschüchtert wie am Anfang, aber eben noch weit entfernt vom normalen Alltag. Genauso ist auch dieser Sonntag irgendwie so ein Zwischenstadium. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr da, die heilige Geisteskraft noch nicht.
Der Predigttext für diesen Sonntag aus dem Prophetenbuch Jeremia spricht davon, dass Gott etwas Neues mit den Menschen vorhat, einen neuen Bund eingehen will.
Ins menschliche Herz hinein legen will Gott, dass die Menschen und Gott zusammen gehören. Spüren sollen wir es also, wie Gott ist und wo Gott wirkt. Wir sollen Gott kennen von Natur aus. Ach, wenn es doch nur immer so einfach wäre! Viele von uns wünschen sich, darauf vertrauen zu können, dass Gott da ist und uns auch jetzt in dieser schwierigen Zeit nicht allein lässt. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen sich in den letzten Wochen viel mehr Gedanken über solche Themen gemacht haben als sonst.
Kein Wunder: da war ja auch viel mehr Zeit, mal zur Besinnung zu kommen, zur inneren Einkehr. Und sich zu fragen, was uns denn wirklich tragen kann in unserem Leben. Wenn so vieles wegzubrechen droht, was uns bisher selbstverständlich erschien.
Wir haben doch tatsächlich vieles in uns, in unsere Herzen gelegt, sozusagen. Wir haben innere Kräfte, die sich oft erst dann richtig entfalten, wenn wir eine schwierige Situation bewältigen müssen. Wir haben meistens auch ein sicheres Gespür dafür, was richtig ist und was nicht. Und wir haben eine Sehnsucht nach dem Heiligen in uns, nach der Nähe zu einer göttlichen Macht. Vielleicht ist es das, wovon Jeremia hier spricht? Wir dürfen jedenfalls darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist und bei uns bleibt, was immer auch geschehen mag. Und wir hoffen darauf, dass wir an Pfingsten wieder zusammen Gottesdienst feiern können.
Pfingstsonntag, 31. Mai 2020
10:15 Uhr Kirche Gommersheim
Kirchenvorplatz
Pfingstmontag, 1. Juni 2020
10:15 Uhr Kirche Freisbach
Kirchenvorplatz
Bitte bringen Sie Ihren Mundschutz mit!
Dieser Sonntag hat den Namen Rogate: betet! Und alle Bibeltexte für diesen Sonntag haben natürlich etwas mit dem Thema Beten zu tun. In diesem Jahr geht es um das Vaterunser.
Beten Sie manchmal? Also ich meine, so ganz für sich, ohne Gottesdienst und so?
Ich habe die Vermutung, dass viele Menschen in den letzten Wochen mehr gebetet haben als sonst. Manchmal war es vielleicht nur so eine Art Seufzer im Sinne von: Oh Gott, was wird noch kommen? Oder: Oh, Gott, wie lange soll das noch so gehen? In Facebook fällt mir auf, dass Gebete erstaunlich oft geteilt werden. Ich selbst mache das auch immer wieder. Ich finde nämlich, dass sie oft sehr gut und auch kurz und knackig ausdrücken, was uns zur Zeit beschäftigt. Da muss kein langer Text gelesen werden, zu dem uns manchmal die Konzentrationsfähigkeit fehlt.
So ist es ja auch beim Vaterunser. Es fasst kurz und knapp alles Wesentliche zusammen. Da geht es genauso um unser tägliches Brot wie auch um unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen und unsere grundsätzliche Einstellung gegenüber dem Leben. Das Vaterunser ist wohl das bekannteste christliche Gebet überhaupt. Es kommt schließlich in jedem Gottesdienst vor. Vor allem aber ist es ein Gebet, das uns mit Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Überall in der Welt wird in christlichen Gottesdiensten dieses Gebet gesprochen. Für viele Menschen spielt es auch ohne Gottesdienst eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Ich kenne etliche Leute, die regelmäßig, wenn sie Kirchenglocken hören, ein Vaterunser beten. Vor allem natürlich auch im Moment, wenn jeden Abend um halb acht die Glocken zu hören sind. Dann fühlen wir uns miteinander verbunden, denken aneinander. So etwas ist wichtig in einer solchen Zeit, wo viele von uns sich schon ganz lange nicht gesehen oder gesprochen haben. Mir tut das gut zu wissen und diese Verbindung zu fühlen.
Warum gerade das Vaterunser für viele Menschen so eine Bedeutung hat, das lässt sich relativ leicht erklären.
Schließlich berichtet Matthäus, dass es von Jesus selbst stammen soll. Mit Nachdruck betont das Matthäusevangelium immer wieder, dass es nur einen einzigen Vater gibt, der zu Recht mit diesem Namen genannt werden kann und der als „der in den Himmeln” – den Vätern auf Erden gegenüber steht. Vor allem dem Kaiser in Rom, der sich Vater des Vaterlandes genannt hat und als Gott verehrt werden wollte. Es geht deshalb auf keinen Fall darum, ein einseitig männliches Gottesbild zu zementieren, wie es später leider geschehen ist. Es handelt sich bei Matthäus vielmehr um einen Akt des Widerstandes gegenüber den Herrschaftsansprüchen der irdischen römischen „Väter”. Es heißt aber auch: So vertrauensvoll wie Kinder mit ihren Eltern sprechen, so dürfen wir mit Gott reden. Alles, was uns bewegt und bedrückt, alles, was für unseren Alltag wichtig ist, können wir vor Gott bringen. Wie gut, dass wir darauf vertrauen können, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Das sagt uns das Vaterunser auch. Vieles ist Gottes Sache, heißt es da: das Gottesreich, die Gotteskraft und die Herrlichkeit.
Und davon kann uns Gott ein bisschen schenken. Uns eine Ahnung von Gottes Reich geben und uns sogar ein Stückchen von Gottes Heiligkeit spüren lassen.
Manchmal, wenn ich bete, dann überkommt mich so eine Ahnung. Darum finde ich beten wirklich wichtig und notwendig. Unabhängig davon, ob wir mit eigenen Worten beten oder einen Stoßseufzer zum Himmel schicken oder eben das Vaterunser sprechen. Das hängt von den Umständen ab.
Aber es funktioniert. Nicht immer so, wie wir wollen. Es geschieht eben nicht unser Wille. Aber das ist ja manchmal vielleicht auch ganz gut so.
„Gott, du weißt schon!“
Beten ist gar nicht so einfach. So viel geht mir im Kopf herum, um so vieles will ich mich kümmern, so vieles beschäftigt mich. Und immer, wenn ich still werden will, rattert es in mir. Mittagsessen, Protokoll – Gott, hier bin ich – Frau Müller anrufen, ob die Brötchen reichen? – Gott, ich komme zu dir – darf nachher den Schlüssel nicht vergessen, muss nochmal ins Büro schauen – Gott, ich möchte so gerne – aber jetzt geht es nicht.
Beten ist gar nicht so einfach. Weil ich nicht nur zu Gott Kontakt aufnehme, sondern weil ich zuerst mit mir in Kontakt kommen muss. All das, was in meinem Kopf rumort, etwas von mir will. All das, was ich nutze, um nicht nachzudenken über das, was ich brauche, was für mich nötig ist. Und das fällt so schwer. Gelingt manchmal nur für einen kurzen Moment. Für einmal Atemholen, tief und lang. Nur diesen kurzen Moment. Ich bei mir. Und Gott bei mir. Und dann dreht sich das Gedankenkarussell weiter.
Wenn du betest, dann geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür, sagt Jesus. Sperr das aus, was dich ablenkt, was von dir Besitz nehmen will. Sei bei dir. Ganz bei dir. Und dann ist Gott nah. Ganz nah bei dir. In diesem einen Atemzug, den du tust.
Wenn du betest, sagt Jesus, brauchst du nicht viele Worte machen, keine schönen Formulierungen suchen, keine vollendeten Sätze sagen. Du kannst stammeln, Worte suchen. Oder du kannst dir Worte leihen, Worte, die andere schon gebetet haben, vor so langer Zeit: Vater unser im Himmel – geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Beten ist gar nicht so einfach. Weil da zu viele Worte sind. Oder zu wenig. Weil mir manchmal geliehene Worte nicht über die Lippen kommen.
Aber Gott, du weißt schon – auch wenn ich stumm bleibe, stammle, mir keine Worte leihen kann
Gott, du weißt schon!
Amen.
Susanne Paul, Pfarrerin in Burgdorf

Für mich gehört ein bestimmtes Lied aus unserem Gesangbuch zu Gottesdiensten im Mai auf jeden Fall dazu. Es wird auch immer wieder von Gemeindegliedern gewünscht. Das liegt zum Teil vermutlich an der schönen Melodie, aber ganz sicher auch daran, dass der Text des Liedes zum Ausdruck bringt, was wir in dieser Jahreszeit empfinden. Da heißt es nämlich:
EG 501,1:
Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.
So ist es doch: alles grünt und blüht, die Farben der
Pflanzen um uns herum sind sehr intensiv, die Luft ist
voller aromatischer Düfte, die Insekten summen und
brummen. In dieser Woche sind in unserem Garten die
Pfingstrosen aufgegangen in all ihrer üppigen, leuchtenden
Pracht. Und der wunderbare und laute Gesang der
Vögel ist wirklich nicht zu überhören.
Manchmal gelingt es mir sogar, zu vergessen, was mich
gerade belastet. Und dann kann ich mich unbeschwert
freuen über all das Schöne vor meinem Fenster oder auf
dem Spazierweg. Ich muss aber zugeben: das klappt in
diesem Jahr nicht so leicht wie in früheren Jahren.
Dazu ist für mich die momentane Situation immer noch zu beunruhigend. Ich mache mir Gedanken wie es weitergehen soll. Wird das gut gehen mit all den Lockerungen, die jetzt nach und nach kommen? Wie setzen wir die Richtlinien für Gottesdienste, die wir bekommen haben, in der Praxis um? Wie gefährlich sind Zusammenkünfte immer noch?
Ich habe den Eindruck, dass diese letzten zwei Monate uns alle verändert haben. Wir sind nicht mehr dieselben wie vor dem 13. März. Da wurde zu vieles auf den Kopf gestellt. Wie sich das wohl auf unsere Gesellschaft auf die Dauer auswirken wird? Und auch auf uns ganz persönlich? Wie lange noch müssen wir uns weiträumig ausweichen, wenn wir uns begegnen? Wann werden wir uns mal wieder alle ganz normal die Hand geben können? Oder jemand einfach die Arme nehmen, weil uns beiden gerade danach ist? Wann können wir wieder lauthals zusammen singen – ohne Mundschutz und ohne Angst, damit jemand zu gefährden?
Bei solchen Fragen spüre ich einen Kloß im Hals. Da wird es mir ganz komisch zumute. Eher traurig und dunkel. Gar nicht nach lieblichem Maien. Da passen doch die Worte des Lieddichters in der 3. Strophe wunderbar:
EG 501,3
Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze
mein, damit sich‘s möge schicken, fröhlich im Geist zu
sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort, das
mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.
Ich finde, es tut gut, sich an Gott wenden zu können, dass unser finsteres,
trauriges Herz aufgemuntert werden soll.
Dass Licht und Sonne hinein kommt. Wir brauchen Gottes Hilfe, um diese schwierige Zeit durchzustehen. Damit wir nicht verzagen, sondern auch immer wieder fröhlich sein können, voller Zuversicht und Hoffnung. Dann können wir auch der Aufforderung folgen, die uns die Losung für Sonntag, 10. Mai 2020 aus dem 1. Buch Samuel mit auf den Weg in die kommenden Tage gibt: Tu, was dir vor die Hand kommt; denn Gott ist mit dir!
(1. Samuel 10,7)
In diesem Sinne, lassen Sie uns tun, was getan werden muss und darauf vertrauen, dass Gott uns nah ist und uns begleitet. Oder wie es das Lied sagt:
EG 501,4
Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen
dein und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu
sein; die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.